Möchtest du deine Lebensenergie wieder in Fluß bringen?

Kommst du dir manchmal auch so vor, als ob du dich mit angezogener Handbremse durch dein Leben bewegst? Oder wie ein temperamentvolles Pferd, das sich nach einem Galopp auf der Prärie sehnt und gleichzeitig doch in seinem Stall stehen bleibt, weil es das so lange getan hat und sich darin sicherer fühlt?

Wenn du diese Gefühle kennst, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich deine Lebenskraft oder Lebensenergie in dir meldet. Sie klopft an, weil sie wieder in dein Leben kommen möchte. Aber manchmal kann sie noch nicht so richtig hereinfließen, weil sie noch etwas eingerostet ist. Und das fühlt sich nicht immer angenehm an. Wie wenn du zwei Seelen in deiner Brust hast, eine kraftvolle und eine, die müde ist.

Hast du Lust, deine Lebensenergie wieder in Fluß zu bringen? Sie herauszulösen aus den alten Verklebungen? Hast du Lust, den Fluß in dir wieder zum strömen zu bringen, damit auch das angrenzende Land drumherum wieder saftig und grün werden kann? Dann lies hier weiter.

Ich glaube, wenn wir im Leben immer wieder an den Punkt kommen, wo wir uns mehr „Wirksamkeit“ wünschen, wo wir uns wünschen, dass die Dinge anmutiger und leichter oder effektiver gehen, dann dürfen wir unsere Kraft oder unsere Lebensenergie wieder einladen.

Irgendwann habe ich begonnen, mich über den Stillstand in meinem Leben zu ärgern oder wütend zu werden, wenn die Dinge wieder mal an genau derselben Stelle hängen geblieben sind oder wenn wieder mal diese zähe Müdigkeit da war. Nach einer gewissen Zeit habe ich realisiert, dass genau hinter diesem Ärger und der Wut meine Lebensenergie steckt und deutlich anklopft: Hallo :), ich möchte wieder mitspielen in deinem Leben. Lass mich herein. Ich bin ein (wesentlicher!) Teil von dir.

Falls du solche Gefühle auch kennst, dann ärgere dich nicht über sie. Dahinter wartet DEINE Energie, deine Kraft…Sie meldet sich, weil sie dich wieder unterstützen möchte. Weil sie dein Leben wieder saftig und grün werden lassen möchte.

Aber wieso fühlt es sich dann nicht einfach kraftvoll an? Wieso können wir die Dinge dann nicht gleich umsetzen, wo die Energie doch anklopft?

Weil die Kraft oder die Lebensenergie etwas ist, was oftmals noch verdeckt ist unter alten Mustern und Lasten und Schichten:

Vielleicht war deine Familie oder dein Umfeld nicht wirklich auf so viel Lebendigkeit eingestellt, wie du sie mitgebracht hast? Vielleicht hat deine Ankunft alle ihre erstarrten oder müden Seiten getriggert und du hast deshalb schon als Baby oder Kleinkind ganz schnell gelernt, dass deine Energie etwas ist, was du lieber zurückhalten solltest. Nur so viel zeigen oder leben, dass es für deine Umgebung noch angenehm ist. Und das ist manchmal nicht allzuviel :).

Wenn wir in solch einer Umgebung aufwachsen, wie das vermutlich bei vielen der Fall war, dann hatte unsere Lebensenergie nicht wirklich den Raum, den sie gebraucht hätte, um sich zu entfalten, um dir wirklich zu entsprechen.

Wie wenn das Flussbett nicht so ausgebildet wird, wie es eigentlich sein müsste, um deine (ganze) Energie hereinzulassen. Sondern so, wie die Flussläufe in deinem Umfeld waren.

Und deinen Eltern ist garantiert dasselbe passiert als sie als Kind auf die Welt gekommen sind: zu viel Energie, die sie dann an das Level ihrer Eltern angepasst haben.

Was passiert, wenn wir mit diesem engen Flusslauf leben?

Irgendwann, wenn unser „Anfangsvorrat“ an Energie aufgebraucht ist (wie bei einem Samen, der zunächst auch viele Nährstoffe in sich trägt, um die Pflanze zum keimen zu bringen) spüren wir, dass nicht mehr genügend Energie da ist. Irgendwie wird mit der Zeit alles etwas zäher und langsamer. Und wir machen dann – vermutlich ganz automatisch – einfach etwas langsamer: wir bleiben möglichst in Situationen, die wir kennen, damit wir uns nicht an Neues gewöhnen müssen, kleine Kinder sind eher anstrengend, denn sie bringen so viel Lebensenergie mit :)…oder auf welche Weise auch immer wir bemerken, dass es „enger“ in uns wird.

Manche Menschen kommen so durch ihr ganzes Leben. Bei anderen klopft die nicht gelebte Energie irgendwann an. Sie macht sich bemerkbar: „Ich will raus, ich will beitragen, spürst du mich nicht?“ Wenn wir diese Zeichen nicht hören, kann es sich manchmal unruhig in unserem Inneren anfühlen. Ein wenig wie Dauerstress. Da ist viel Lebensenergie, die aber nicht richtig fließen kann und sich im Untergrund bemerkbar macht. Andererseits fühlen wir uns müde oder schlapp, weil die Energie noch feststeckt und wir nicht genug Energie für unser Leben haben. Wie zwei unterschiedliche Strömungen, die an uns zerren.

Eigentlich paradox, fiel mir irgendwann auf: Ich fühlte mich müde und hatte das Gefühl, ich müsste mich ausruhen (was in bestimmten Phasen oder manchmal auch für längere Zeiten total heilsam ist). Aber trotz des Ausruhens blieb etwas tief in mir drinnen unruhig und gestresst. Heute würde ich sagen das war genau meine „feststeckende“ Lebensenergie, die noch etwas mehr brauchte als nur ausruhen.

Sie war wie eingefroren und konnte nicht wirklich fließen. Aber sie wollte fließen. Wie eine kraftvolle, klare Quelle, deren Abfluß verstopft ist. Und die sich dann eigene, manchmal unbequeme Wege sucht …oder einfach langsam Druck aufbaut.

Aber das Leben kam mir zur Hilfe ;-) und zeigte mir Möglichkeiten, meine Lebensenergie wieder in Fluß zu bringen. Nicht alles auf einmal, sondern immer nach und nach, Schritt für Schritt.

Was du in dieser Situation tun kannst: Die Energie wieder ins Fließen bringen

Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten, die eingefrorene Lebensenergie wieder in Fluß zu bringen. Ich war damals sehr froh, dass ich Wege entdeckt habe, die dieses „in Fluß bringen“ auf eine liebevolle und behutsame Weise ermöglichen. Weil ich mich auf diese Weise nicht überfordert habe und dieses Lösen nicht ruckartig geschah…Denn wo viel Energie wartet, gibt es manchmal auch die Tendenz „jetzt oder nie“ — was uns nicht wirklich immer gut tut ;-).

Wie in der Natur: es ist viel angenehmer, eine Quelle nach und nach freizulegen, Stein für Stein, nicht mit großen Aktionen. Dann gibt es keinen plötzlichen Ruck, sondern es kann anmutig und fließend geschehen. Nach und nach, immer ein wenig mehr.

Und wie sehen diese Möglichkeiten nun aus?

Möglichkeit Nr 1: Das weiche Atmen

Das weiche Atmen ist eine wundervolle Möglichkeit, feststeckende Energie wieder in Fluß zu bringen. Denn der Atem ist letztlich nichts anderes als das Leben selbst, was durch dich fließt. Er verbindet dich mit dem Leben und mit der Liebe, die in dir wartet. Er ist wie ein Fluß, der das Leben in dich und deinen Körper bringt, der dich lebendig macht.

Hast du schon einmal bewußt darauf geachtet, wie dein Atem im Laufe eines Tages so fließt? Gibt es Situationen, wo du angespannt bist und es sich eng anfühlt in dir und vielleicht nur wenig Atem durchkommt, wo du flach atmest? In diesen Situationen kann die Lebensenergie nicht so fließen, wie sie eigentlich will. Und manchmal ist es einfach auch so, dass wir schon von ganz klein auf nur einen Bruchteil von der Energie, von dem Atem hereinlassen, der eigentlich in uns wartet.

Aber das macht überhaupt nichts. Wir können all das einfach nachholen. Mit jedem weichen Atemzug, den du heute fließen lässt, kann wieder etwas mehr von deiner Lebensenergie in Fluß kommen. Es ist wie ein liebevolles, behutsames „ins Fließen bringen“ der angestauten und feststeckenden Energie. Jeder weiche Atemzug erinnert dein System daran, wie es eigentlich gedacht ist: fließend, liebevoll und voller Energie.

Zum weichen Atmen darfst du dir einfach einen Moment Zeit nehmen, dich in aller Ruhe zurücklehnen und in dich hineinsinken. Du darfst dich erinnern, dass es in diesem Moment absolut nichts zu „tun“ oder zu erreichen gibt …Und dann den Atem einfach fließen lassen, so wie er gerade kommt und geht. Es ist wie ein langsames „eins werden“ mit deinem Atem, wie ein mitfließen, ein mitgehen mit der Bewegung deines Atems.

 

 

Das kann sich zunächst auch etwas holprig oder flach anfühlen, aber das macht überhaupt nichts. Es darf genau so sein, wie es gerade ist. Es muß nicht anders sein, nicht besser oder tiefer. Genau das, was gerade da ist, ist richtig und darf ins fließen kommen. Das wichtigste dabei ist wirklich, dich immer wieder zu erinnern, dass es bei alledem für Dich nichts zu „machen“ gibt. Du darfst einfach nur mitgehen mit dem Atem, Atemzug für Atemzug. Der Atem ist wie eine Mama oder ein Papa, die ihr Kind an die Hand nimmt und es sicher führt.

Möglichkeit Nr 2: Bewegung

Je nachdem, was gerade in dir ins Fließen kommen will, können das eher langsame oder schnellere Bewegungen sein. Gerade am Anfang, als ich mich immer wieder müde gefühlt habe, habe ich bemerkt, dass ich langsame Bewegungen (wie Gigong oder einfach freies Bewegen oder spazieren) sehr angenehm fand. Alles andere hätte bestimmte Teile in mir eher verschreckt.

 

 

In der Zwischenzeit, wo mehr Kraft und Energie hereinströmen, merke ich, dass ich daneben auch schnellere oder intensivere Bewegungen schön finde. Z.B. hüpfen, stampfen, tanzen oder Yoga Diese Bewegungen kommen mir vor wie ein Signal an mein System: meine Energie darf wieder fließen, sie darf sich wieder ausbreiten, sie darf Raum einnehmen und sich zeigen.

Besonders schön finde ich auch Bewegung in der Natur . Es kommt mir vor, wie wenn ich dort noch mehr fühlen kann, dass eigentlich alles in Bewegung ist, dass alles in einem ständigen Fluß ist, in einem lebendigen, natürlichen Rhythmus schwingt. Alles auf seine ganz eigene Weise.

Möglichkeit Nr 3: Töne machen

Und ich finde das „Töne machen“ – mit oder ohne Bewegung – total schön und unterstützend. Einfach Töne machen mit der Stimme. Das bringt den Körper innerlich zum vibrieren. manchmal ganz fein und manchmal spürbarer. Mal wollen eher tiefe und erdige Töne heraus, die ich dann körperlich eher im Bauch wahrnehme und manchmal sind es eher feine, höhere Töne. Dieses Tönen scheint den Körper irgendwie aufzuwecken, zu erinnern, dass seine eigentliche Haltung das Fließen ist.

Möglichkeit Nr 4: was auch immer dir ganz persönlich Freude macht und dich in Fluß bringt

Was macht dir Freude und lässt dich die Zeit dabei vergessen? Was gibt deinem System das Gefühl oder wie ein inneres Zeichen, es kommt wieder ins Fließen, es bewegt sich? Bei welchen Tätigkeiten fühlst du dich einfach wohl und im Fluß? malen, kochen, singen, stricken, im Garten werkeln…?

Bei mir ist es z.B. das Wildkräuter sammeln und verarbeiten oder das gärtnern. Es ist wie wenn alles in mir lebendiger wird und sich freut, wenn es in der Erde graben kann, die Pflanzen und den Boden riecht oder beim spazieren gehen neue Kräuter entdeckt und diese dann z.B.später in schönes Öl einlegt…:):).

 

 

Falls dir jetzt nichts einfallen sollte :) – oder du genau zu den Dingen, die dein Herz berühren NIE Zeit findest oder dir das im Moment noch nicht möglich scheint, weil die Situation noch nicht ideal ist…(all das kam bei mir auf), dann lass dich nicht entmutigen. Frag dich, welche Tätigkeit immer wieder leise in dir anklopft oder in welche Richtung es dich liebevoll einlädt.

Beginne. Trau dich. Ja, manchmal braucht es wirklich Mut für die ersten Schritte in mehr Lebendigkeit, in mehr Fließen. Daher ist es oft einfacher, wenn wir erst mal nur ganz kleine Schritte wagen. Denn genau vor den Dingen, die etwas in uns in Fluß bringen, warten häufig (zumindest bei mir) immer wieder 1000 Ablenkungen und ängstliche Anteile, die nicht an diese Lebendigkeit gewöhnt sind.

Gerade beim Bewegen geht es mir manchmal so: nach einer längeren Pause, habe ich bemerkt, dass es total schön wäre, wieder mit Yoga zu beginnen. Zunächst habe ich 3 Wochen keine Zeit gefunden … :), dann hat mir bei der ersten Session alles weh getan und ich habe früher aufgehört. puh, so eingerostet – um dann eine relativ kurze „Yoga-Einführung“ zu entdecken :). Und die mache ich gerade. Jeden Morgen!! Und es tut so gut!!! Es kribbelt in meinem Körper und fühlt sich anschließend lebendiger… Und etwas hat nun auch schon wieder Lust auf mehr :). So darf es langsam ins Fließen kommen, lebendiger werden. Immer ein klein wenig mehr.

 

Bei alledem darfst du immer ganz liebevoll mit dir sein

Deine Lebensenergie in Fluß zu bringen ist etwas ganz natürliches. Etwas, was ganz zart beginnen darf um nach und nach immer kraftvoller zu werden. Gerade am Anfang ist es total schön, dich nicht mit Gewalt zu etwas zu zwingen (weil vielleicht etwas in dir sich nun endlich vitaler fühlen mag).

Gib dir die Zeit, dich langsam ranzutasten. An das, was dir gut tut, an das, was dich wirklich einlädt, was dich unterstützt.

Gib dir Zeit, genau so viel auszuprobieren, dass es zwar neu ist, aber dich nicht unter Druck setzt und dich überfordert. Vielleicht mit der Haltung wie ein kleines Kind, das laufen lernt. Das Dinge immer wieder probiert, immer ein wenig mehr. Und immer wieder.

Lass deine Energie wieder fließen!

Falls du dich fragst, ob das mit der Kraft und Energie nur für andere gilt, dann kann ich dir nur sagen: NEIN !! das gilt auch für DICH!

Auch wenn du manchmal nur den Funken deiner wundervollen Lebensenergie und Kraft fühlen kannst: lass’ sie immer mehr herein kommen. Wenn du magst, bitte das Leben um Unterstützung und lass mehr von ihr herein.

Das Leben hat dich genau mit der richtigen Menge an Energie ausgestattet. Lass sie nicht vor der Türe stehen, nur weil um dich herum weniger war oder ist. Lass sie da sein und durch dich fließen. Immer mehr! Ich glaube, genau das macht unsere Welt zu einem angenehmeren Ort. Wenn wir alle unsere Energie wieder fließen lassen und uns (ver)trauen.

Nun wünsche ich dir ganz viel Neugier und fließendes Ausprobieren. Mit was möchte deine Energie gerade ins Fließen kommen? Und was möchte sie dabei alles mitbringen?

 

Bildquelle erstes und drittes Bild: Fotolia

 

 

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