Möchtest du Gewohnheiten loslassen, die dir nicht mehr gut tun?

Geht es dir auch immer wieder so? Es gibt hartnäckige Gewohnheiten, die dein Leben nicht unbedingt bereichern :), die aber manchmal an dir kleben, wie ein zäher Kaugummi. Gewohnheiten, bei denen du genau weißt (oder hinterher spürst :)) , dass sie dir nicht gut tun, die dich aber immer wieder anziehen.

Ich glaube, solche Gewohnheiten kennen wir alle, oder? Manchmal hab’ ich versucht, mir etwas abzugewöhnen oder ich hab’ darauf vertraut, dass es sich einfach wieder erledigt. Beides hat ein bisschen funktioniert, aber nicht wirklich und langfristig;-).

In den letzten Monaten durfte ein neuer Umgang mit diesen Mustern in mir entstehen: wie ein neuer, ausgewogener Weg. Ein Umgang der liebevoll UND klar ist. Und genau mit dieser neuen, ruhigen Haltung merke ich nun, wie sich meine Muster nach und nach verändern können.

Gibt es auch bei dir Gewohnheiten die dir nicht mehr gut tun, die du auf liebevolle, wirksame Weise verwandeln möchtest? Dann lies hier weiter. (Am Ende gibt es 5 konkrete Tipps für deinen Alltag).

Mein bisheriger Umgang: hart oder weich

In meinem Leben sind mir immer wieder Gewohnheiten begegnet, die ich nicht wirklich toll oder bereichernd fand :). Lange Zeit habe ich im Umgang damit geschwankt zwischen zwei eher unausgewogenen Verhaltensweisen:

Früher habe ich immer wieder versucht, es mir „abzugewöhnen“ und „streng“ mit mir zu sein („das bisschen, das ist doch nicht so schwer…“). Aber meist kamen die Gewohnheiten in entsprechenden Situationen irgendwann wieder zum Vorschein. Ähnlich wie vorher oder in einem etwas anderen Gewand.

In den letzten Jahren, als ich mir gegenüber weicher und liebevoller geworden bin und bemerkt habe, dass mir der Druck mir selber gegenüber nicht gut tut, habe ich dann zunächst auch das Gegenteil probiert: viel Verständnis für diesenTeil in mir, der immer wieder „wegknickt“ . ( und so was gesagt hat wie: „sei einfach liebevoll zu dir – wenn es dir gerade gut tut, dann schau doch einfach das Filmchen an“).

Dieser zweite Weg war irgendwie liebevoller. Er hat schon mal Druck und Härte herausgenommen. Aber unterm Strich blieb doch etwas Unzufriedenes in mir und manchmal gesellte sich auch Selbstkritik dazu. Die Gewohnheit blieb und auch ein inneres „Kuddelmuddel“. Irgendwie funktionierten also beide Wege nicht wirklich ;-).

Wieso beides nicht funktioniert hat

Ich glaube, weil beide Wege eher einseitig waren. Und weil es für eine liebevolle, anhaltende Veränderung beides braucht:

Liebe UND Klarheit.

Weichheit UND Struktur.

Männlich UND weiblich.

Wir alle tragen diese beiden Seiten schon in uns. Tief in unserem Inneren.

Liebe

Mit Liebe meine ich die Liebe, die tief in unserem Inneren wohnt, die in allem ist. Die nährt und hält und versteht. Die einfach da ist….und so auch unsere bedürftigen Anteile heilen lässt. Nicht ein verzerrtes „lieb sein oder lieb tun“. Das nährt eher das innere „Kuddelmuddel“. Sondern die Liebe, die dem Leben innewohnt. Die sich manchmal ganz leise in dir meldet …und doch sooo kraftvoll ist. Genau diese Liebe brauchen die Teile in uns, die immer wieder Trost und Halt im Außen suchen. Und deshalb in irgendwelche Gewohnheiten verfallen.

 

 

 

Klarheit

Und die Klarheit, die uns klar erkennen lässt, dass uns das, was da abläuft nicht wirklich gut tut. Die uns die Stärke und das „Rückgrat“ gibt, um den „verlockenden, einschläfernden“ Stimmen nicht mehr zu folgen. Gerade in den müden oder gestressten Momenten ist die Klarheit wohltuend und hilfreich. Denn sie macht dich „aufmerksam“. Sie erinnert dich daran: „ist das WIRKLICH liebevoll oder ist es nur der Sog des alten, bequemen, gewohnten, einschläfernden?“ Möchtest du dem alten folgen oder möchtet du lieber wieder DICH spüren, deine Flügel, deine Energie?

 

 

Diese Mischung aus liebevoll und klar gibt es übrigens auch überall in der Natur: Wenn wir (frei lebende) Tiereltern mit ihren Jungen beobachten, sehen wir genau das: da ist ganz viel Liebe und gleichzeitig ganz klare Grenzen. Und das auf eine ganz ruhige, gelassene und zutiefst liebevolle Art, ohne jegliche Verurteilung. So ist es. Und so ist es gut. Und die Jungen fühlen sich wohl darin. Genau das gibt ihnen den liebevollen Halt, den sie brauchen, um sich entspannt zu entwickeln. In sicheren, geborgenen Grenzen.

All das wohnt schon in unserem Inneren

Wir alle bringen eigentlich genau das schon mit. Auch wenn wir uns eher an „lieb sein“ und Kuddelmuddel gewöhnt haben, eben an das, was wir seit unserer Kindheit meist um uns herum erlebt haben. Aber tief in unserem Inneren warten die Liebe und die Klarheit, die uns eigentlich ausmachen und die uns gut tun. Sie warten darauf, dass wir sie wieder entdecken und wirken lassen.

Aber jetzt konkret, was mich unterstützt hat:

5 Tipps oder Haltungen, die dich im Alltag bei der Veränderung, beim Loslassen der alten Gewohnheiten (und Freilegen deiner Blaupause) unterstützen:

1.) sei es dir wert

Oftmals sind wir mit genau der Energie aufgewachsen, die sich dann später in irgendwelchen Gewohnheiten ausdrückt, die uns nicht gut tun. Wir haben uns als kleines Kind nach Liebe gesehnt, die uns einfach so liebt und wahrnimmt, wie wir sind. Oder wir haben uns nach einem liebevollen Halt oder nach klaren Grenzen gesehnt oder wonach auch immer. Und weil es das nicht gab, haben wir – wie alle anderen auch – gelernt, diese „Bedürfnisse“ mit anderem zu stillen.

Wenn die Gewohnheit heute anklopft, meldet sich eigentlich das Gefühl, das dahinter steckt und das sich lösen möchte. Wenn deine Gewohnheit sich das nächste mal meldet, dann erinnere dich daran. Sei es dir wert, dich zu verändern. Gib dich nicht mehr mit dem alten Kuddelmuddel zufrieden. Entscheide dich für mehr. Auch oder gerade wenn erst mal Widerstand aufkommt. Genau dahinter wartet mehr von dir, was hereinkommen will.

2.) Lass dich die Gefühle fühlen, die hinter deiner Gewohnheit stehen

Wenn es dich das nächste mal zum Fernseher, an die Schokitafel, zum Kühlschrank oder wohin auch immer zieht (und du spürst, das willst du eigentlich nicht, aber es zieht dich), dann nimm dir einen Moment Zeit und halte an. Und fühle, wie du dich gerade fühlst.

Vielleicht bemerkst du, dass alles in dir erst mal NEIN! ruft. „Nicht das schon wieder. Genau da will ich nicht hin.“Oder du fühlst ein Ziehen und Zerren in dir, wie ein dickes Schwungrad mit viel Kraft. Oder etwas in dir will einfach weg. Was auch immer sich in dir zeigt, lass dich genau das (für einen kurzen Moment) fühlen. Und vielleicht zeigen sich hinter diesem Wegwollen dann auch andere Gefühle. Vielleicht etwas, was sich einsam fühlt. Was auch immer es ist, halte an, bleibe da und lass es dich fühlen. Es lohnt sich so!

Genau dieses „anhalten und fühlen wie es sich gerade in dir anfühlt“ ist der Weg aus dem Sog heraus. In diesem Fühlen können die alten Gefühle schmelzen. Entsteht der liebevolle und klare Weg aus der Gewohnheit heraus.  Hinein in ein „Ruhen in dir“. Wie ein dicker, runder Budda. So fühlt es sich für mich an, wenn die bedürftigen Kinder, die bisher an mir und meinem Rockzipfel gezogen haben (und das oft in unterschiedlichen Richtungen) langsam ruhiger werden. Weil sie spüren, dass da jemand ist, der sie sieht und einfach da ist. So können sie sich langsam entspannen und ankommen und müssen nicht mehr aus ihrem tiefen Bedürfnis heraus an mir ziehen und zerren.

3.) bleib dran an dem, was du verändern willst

Mit dranbleiben meine ich: nicht immer wieder anfangen und aufhören, sondern dranbleiben an deinem Thema, an dem, was du verändern möchtest. Jedes Mal, wenn deine Gewohnheit anklopft, stehst du vor der Wahl: nehme ich mir einen Moment für mich, bleibe ich da oder „knicke ich ein“ und lasse mich wegziehen von den alten, einschläfernden Stimmen.

Dieses „Dranblieben“, diese Kraft und Klarheit ist in jedem von uns. Lass sie wieder herein in dein Leben. Erlaube deiner Kraft, dich wieder aufzurichten, dich zu unterstützen, mit dir nach vorne zu gehen. Statt sich gegen dich zu richten und dich selbst zu kritisieren. Deine Kraft ist etwas wundervolles.  Magst du sie in dein Leben lassen? Dann bleibe dran. Gerade wenn Widerstand aufkommt, gerade dann, wenn etwas in dir einknicken will. Gib deiner Kraft ein neues, schönes Ziel.

Was das dranblieben für mich einfacher gemacht hat, waren insbesondere auch: kleine Schritte. Ganz klein anfangen. Zunächst nur ganz kurz bei den Gefühlen bleiben. Aber immer wieder. Auf diese Weise kann sich sich das, was sich verletzt gefühlt hat, was sich lieber verstecken will, an deine Aufmerksamkeit gewöhnen. So müssen diese Teile in dir nicht gleich Reißaus nehmen und wieder weglaufen. So können sie langsam schmelzen und sich an die Veränderung gewöhnen.

Und es hat mir auch geholfen, mich anschließend zu belohnen. Auch wenn ich zunächst nur einen ganz kurzen Augenblick die Gefühle fühlen konnte. Auch wenn erst mal nicht mehr möglich war. Es war mutig und ein Anfang! Und so hab ich mir vor dem Fühlen gesagt: „wenn ich mich einen Augenblick einlasse, kann ich danach immer noch das Filmchen schauen ;-).“ Aber dieses mal als Belohnung für mein Dranblieben. Und das fühlte sich ganz anders an.

4.) Sei immer wieder liebevoll und verständnisvoll mit dir

Gerade in Situationen oder an Tagen, dich dich sehr herausfordern, in denen alles irgendwie zu viel scheint oder wenn dein Thema gerade besonders getriggert wurde, kann es immer mal passieren, dass der Sog oder das Müde „übermächtig” scheinen und du dich einfach vor das Filmchen setzt oder was auch immer du dann tust.

Wenn dir das passiert – dann erlaube dir, ganz liebevoll und verständnisvoll mit dir zu sein. Auch wenn die selbstzerstörerischen Stimmen anklopfen, lass sie nicht herein. Wenn du magst, dann betrachte dich mit den Augen einer ganz lieben Mama. Einer Mama die deine Überforderung oder Enttäuschung oder Müdigkeit genau spürt und liebevolles Verständnis dafür hat.  Die spürt, dass du Veränderung möchtest, dass du bereit bist. Die spürt, dass du immer dein Bestes gibst. Auch in diesem Moment!  Und die dich genau dafür und für alles andere von Herzen liebt. Genau so wie du heute bist.

(Aber nimm diesen Punkt nicht als Einladung zum dauerhaften „wegdriften oder laufen lassen“. Das ist mir zunächst immer wieder passiert ;-). Das ist nicht liebevoll und kommt aus dem Alten, Schwammigen. Mir hat es in diesen Momenten geholfen, mich zu fragen: was ist mir heute wirklich möglich, was tut mir wirklich gut? Ist es nicht doch möglich, einen Moment innezuhalten und genau das zu spüren, was jetzt da ist? Du bist viel klarer als dich die alten Stimmen glauben machen wollen.)

Aber wenn es gerade nicht möglich ist, dann betrachte dich ganz liebevoll und erinnere dich: Du gibst dein Bestes und bist geliebt!

5.) Vertraue darauf, dass es eine größere Kraft in dir gibt, die dich (dabei) unterstützt

Gerade wenn du Gefühlen begegnest, wenn etwas Tiefes hinter der Gewohnheit sitzt, was du nicht gerne fühlst, tauchen vielleicht auf deinem Weg auch Momente auf, wo etwas in dir „keine Lust mehr hat“. Wo sich etwas fragt, ob das überhaupt Sinn macht. Manchmal vielleicht auch Ohnmacht und Wut oder „ich hab keinen Bock mehr.“

Wenn so was aufkommt, dann gib nicht auf. Lass dich nicht abbringen. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass genau das oft kurz vor dem Ziel auftaucht. Am tiefsten Punkt. Da ist die Ablenkung am Größten.

In diesem Momenten hilft es mir, mich zu erinnern: es gibt eine Liebe tief in mir, eine Führung, die viel weiser und allumfassender ist als ich. Die immer – auch dann wenn ich sie nicht spüren kann – ein liebevolles, wohlwollendes Auge auf mich hat. Die es immer gut mit mir meint. Die meinen Weg kennt. Der ich vertrauen kann. Und die mir hilft, wenn ich sie bitte. Wenn du magst, erinnere dich in diesen Momenten an deinen ganz persönlichen Begleiter, der immer für dich da ist und bitte ihn um Unterstützung.

Gibt es eine Gewohnheit, die dir nicht mehr gut tut, die du gerne gegen mehr von dir eintauschen würdest? Dann wünsche ich dir ein liebevolles Losgehen und Dranbleiben.

PS: Wenn du gerade am Anfang spürst, dass es dir schwer fällt, anzuhalten und den Gefühlen zu begegnen, dann unterstütze ich dich gerne in einer Einzelsitzung dabei. Wenn es herausfordernde Gefühle sind, ist es oft einfacher, wenn wir uns zunächst einmal dabei begleiten lassen. Hast du Lust? Dann melde dich. Ich freu mich auf dich!

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