Wenn Angst aufkommt – was du tun kannst und welche Geschenke dahinter auf dich warten

Hast du manchmal Angst um deine Gesundheit oder deinen Körper? Oder tauchen bei dem Gedanken an bestimmte Menschen oder bei Rechnungen Ängste in dir auf? Oder verschiebst du Herzensdinge immer wieder, weil genau bei den ersten Schritten Angst aufkommt, es nicht zu schaffen?

Es gibt viele Situationen, die Ängste in uns triggern. Oft kommen sie genau dann auf, wenn wir an der Schwelle zu Neuem stehen.  Doch häufig folgen wir genau in diesen “Schlüsselmomenten”  einer alten Gewohnheit: Wir versuchen, das unangenehme Gefühl wegzubekommen oder die Situation zu vermeiden. Wir bleiben stehen und gehen wieder zurück hinter die alte Grenze.  Aber das verlängert das ganze eher und macht es oft größer als es ist.

Möchtest du erfahren, was es leichter macht, durch diese Gefühle hindurchzugehen? Was es dir ermöglicht, das Neue, was dahinter wartet, in Empfang zu nehmen? Was dich genau in diesen Schlüsselmomenten auf liebevolle und effektive Weise unterstützen kann? Dann lies hier weiter.

Wenn sich unser Leben ändert oder wir auf dem Weg zu uns selbst sind, tauchen immer wieder Ängste in uns auf – und dahinter warten die Geschenke

Als vor einigen Jahren mein Erwachen begann, als ich merkte, dass etwas in mir Fragen stellt, die bisher nicht da waren, dass Gefühle auftauchten, die ich bisher nicht kannte. Als ich das Gefühl hatte, ich möchte spüren, wer ich wirklich bin, genau da tauchten dann auch Ängste auf.

Mal waren es kleinere (wie die Angst durch einen Tunnel zu fahren oder in einen langen Aufzug zu steigen – etwas was ich bis dahin NIE gekannt hatte :)). Und etwas später klopften auch grundsätzlichere an, die ich erst mal ziemlich herausfordernd fand (Ängste, die meine Gesundheit betrafen oder meine Existenz).

Egal ob bei mir selbst oder bei meinen Klienten, mir ist irgendwann aufgefallen, dass diese Momente der Angst meist dann auftauchen, wenn sich etwas verändern oder lösen möchte in uns. Genau dann, wenn sich ein nächster Schritt oder mehr von uns selbst ankündigt. Wie ein Tor, das wir durchschreiten, bevor sich unser Weg weiter entfaltet und breiter wird.

 

 

Häufig liegen die Ängste genau auf dem Weg zu wunderschönen Geschenken, zu dem, was uns tief berührt:

So auch, als ich vor Jahren ein mehrtägiges Kräuterseminar bei Wolf Dieter Storl besuchen wollte: Es fühlte sich wundervoll an, in dieses Erdige, in die Verbindung zur Natur und den Heilpflanzen einzutauchen. Wie eine Einladung “nach Hause”. Aber bei dem Gedanken, dass die Kräuterwanderungen den ganzen Tag dauern sollten, sah ich mich im Lauf der Wanderung schwächelnd am Wegesrand zurückbleiben – ohne Unterstützung, erschöpft und verlassen. Dieses Bild/Gefühl in mir schien so real, dass ich erst im nächsten Sommer den Mut zu diesem Seminar fand….nach einigen Atemzügen …und immer noch mit leicht flauem Gefühl.

Am ersten Tag des Seminars stellte ich fest, dass wir so lange bei den einzelnen Pflanzen verweilten,  dass unsere “Wanderung” zwar den Tag dauerte, aber nicht weit war. Immer wieder meldete sich das Gefühl von Schwäche, aber da wir in der Natur waren und ich mich sehr verbunden fühlte, konnte ich es einfach “da sein lassen” und diese Angst durfte weiter schmelzen. Nach dem Seminar wurde mir bewußt, wie viel gerade diese Begegnung mir geschenkt und in mir geöffnet hatte: etwas ganz tiefes, warmes, erdiges, meine tiefe Verbundenheit zu den Heilpflanzen und zur Erde. Diese Verbundenheit war danach so viel deutlicher und lebendiger für mich…Es war einfach mehr von mir da… Und das alles hinter dieser Angst.

 

 

Oft nehmen wir die Angst gar nicht bewußt wahr, sondern versuchen aus der unangenehmen Situation herauszukommen

Wenn sich eine Angst bei mir gemeldet hat, sind zu Beginn meiner Erfahrung damit meist dieselben Muster in mir angesprungen: Alles in mir hat versucht, auf irgendeine Art möglichst schnell aus dieser Situation herauszukommen. Mein Verstand hat fieberhaft nach einer Lösung gesucht. Nach einer Möglichkeit, wie ich die Situation verändern könnte, wie ich mich wieder sicher fühlen kann.

Oder, wenn die Angst nicht so groß war, habe ich erst mal versucht, die Situation bestmöglich zu ignorieren: Ich hab mir ein Buch genommen, einen Film geschaut oder einfach mit Freunden telefoniert und davon erzählt. Das ist völlig ok. Aber es hat sich nicht wirklich gut angefühlt. Irgendwo im Hintergrund war das Gefühl nach wie vor da, wie etwas leises, bohrendes, das weiter anklopft. Und auch das „darüber sprechen“ hat das Gefühl eher noch „größer“ gemacht, hat dem Verstand, der ohnehin schon „am suchen“ war, noch mehr Nahrung gegeben.

 

 

Was wirklich hilft, ist die Angst wahrzunehmen und ihr zu begegnen

Als ich begonnen habe, mit anderen gemeinsam zu atmen und in meine Mitte zu sinken , ist mir aufgefallen, dass mir genau “dieses tiefer sinken” total gut tut, wenn herausfordernde Gefühle wie Ängste da sind. Durch dieses „bei mir ankommen“ ist es ruhiger in mir geworden. Und aus dieser Ruhe heraus konnte ich wahrnehmen, dass hinter diesem weglaufen wollen, hinter diesem „Lösungen suchen“, wie verängstigte kleine Kinder sitzen. Es tat gut, dies einfach nur wahrzunehmen. Stehen zu bleiben und diesem Gefühl zu begegnen.

Die kleineren Gefühle und Spannungen haben sich durch dieses stehen bleiben und wahrnehmen ziemlich schnell aufgelöst: Nach ein paar Atemzügen aus der Mitte heraus, hat sich mein Körper oder die entsprechende Stelle bald entspannt. Bei den tieferen oder grundlegenderen Ängsten hat es manchmal länger gedauert. Aber bei jedem mal, bei dem ich tiefer gesunken bin und diesen Gefühlen begegnen konnte, ist etwas in mir ruhiger geworden, ist die Spitze weiter abgetragen worden – auch wenn sich das Gefühl der Anspannung oder des Drucks im Körper noch nicht ganz gelöst hatte.

 

 

Wie begegne ich der Angst?

Für mich ist es wie bei anderen Gefühlen auch: zunächst hilft es mir, mich zu erinnern, dass es gerade herausfordernd ist und ich gerade in dieser Situation liebevoll mit mir umgehen darf. Dann hilft es mir, mich zurückzulehnen, mich in den Körper sinken zu lassen, im Körper anzukommen und dann den Atem weich zu diesen Gefühlen fließen zu lassen. Und zu spüren, was gerade da ist. Wie fühle ich mich gerade? Will etwas in mir gerade weglaufen? Wie fühlt sich mein Körper an? Ist es irgendwo eng oder verspannt, erstarrt?

Wenn wir uns auf den Atemfluss konzentrieren und fühlen, was gerade da ist, wird es meist ruhiger. Dann können wir dem Gefühl begegnen, das da ist. Wie ein dicker Budda, der sich in Ruhe die Umgebung ansieht.

 

 

Der Körper ist wie ein Anker: zurück in den Körper zu kommen ist hilfreich 

Wenn die Angst sehr präsent ist, tendieren wir häufig dazu, aus dem Körper herauszugehen. Dann ist unser Fokus im Verstand, bei den Gedanken, die kreisen und schnell nach Lösungen suchen. Das verstärkt den Eindruck, haltlos und ausgeliefert zu sein. Wenn es sich “so” anfühlt,  finde ich es hilfreich, mich zunächst auf etwas andere, “handfestere” Weise wieder mit dem Körper zu verbinden:

Zum Beispiel indem ich mit den Händen über den Bauch, die Oberarme oder die Oberschenkel streiche. Oder die Füße auf dem Boden spüre. Wie fühlt sich der Boden an? Liegen die Fußsohlen ganz auf ? Oder indem ich den Halt der Rückenlehne bewußt wahrnehme.

Auch die Verbindung mit der Erde finde ich in diesen Situationen total wohltuend. Auf einen dicken Teppich auf den Boden legen, ins Gras liegen oder an einen Baum lehnen, barfuß laufen oder die Erde mit den Händen spüren. Auch baden, duschen oder eine Wärmflasche sind wundervolle Mittel, um wieder ganz im Körper anzukommen (und damit raus aus den Gedanken und rein ins Fühlen). Wenn du baden magst, füge ein paar Tropfen Lavendelöl oder etwas anderes, was dir gut tut, ins Badewasser. Auch ein heißes Glas Tee oder Suppe ist wundervoll – es wärmt und entspannt und lässt uns den Körper wieder gut von innen spüren.

 

 

Ganz generell hilft bewegen 

Da sich der Körper bei Gefühlen wie Angst schnell zusammenzieht und “erstarrt”, ist es meist wohltuend, sich zu bewegen. Durch die Bewegung kann sich die Erstarrung wieder lösen und wir fühlen uns wieder mehr verbunden.

Das können langsamere Bewegungen wie beim Yoga sein, die auch die Muskeln dehnen und raus aus der Starre bringen. Und manchmal ist es auch angenehm, sich schneller zu bewegen, sich zu schütteln, zu tanzen oder einfach auf und ab zu springen. Probiere einfach aus, was sich für dich am besten anfühlt und dich und deinen Körper wieder in Fluß bringt.

Und mit jedem mal, wo du in deinen Körper sinkst und diesen Gefühlen begegnest, sie so fühlst, wie sie sind, kann es ruhiger und freier werden in dir. Können sich alte Erstarrungen lösen, gibt es mehr Raum für dich.

 

 

Erlaube dir (immer wieder) Ruhe oder umgib dich mit Personen, die dich unterstützen indem sie “da sind”

In Phasen, wo sich “dickere” Ängste zeigen,  kann es manchmal herausfordernd sein, wenn wir Menschen um uns haben, die (meist unbewusst) in die Angst mit einsteigen und sie ablehnen. Es liegt dann noch mehr Spannung in der Luft und wir haben teilweise das Gefühl, wir müssten uns verstellen oder funktionieren. In diesen Momenten oder Phasen ist es hilfreich, wenn du dir (immer wieder mal) Ruhe gönnst, wenn du deinen Raum hast. Oder du dich mit Menschen umgibst, die einfach “da sind” oder   vielleicht mit dir atmen oder dich auf andere Weise unterstützen.

 

 

Hinter der Angst warten die Geschenke: mehr Raum für dich, für das, was du wirklich bist

Das Schöne ist: Hinter den Ängsten warten die Geschenke auf dich. Hinter den dicksten Brocken warten die schönsten Geschenke, wartet mehr von dir und deiner Schönheit! Magst du dich trauen, das Licht auch in die Bereiche kommen zu lassen, wo es am schwierigsten scheint, wo aber auch dein größtes Potential wartet. Vielleicht magst du dich genau daran erinnern, wenn die Angst das nächste mal anklopft.

 

 

 

Bildquelle vorletztes Bild: Fotolia

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